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Geschichte und Geschichten rund ums Thema Essen & Genießen.
Heute Teil 8: Gundermann und die Germanen

Wie, Sie kennen Gundermann nicht??? Barbara Doll, vom Hofladen Doll, Küchengarn.de-Crew-Mitglied, Kräuterpädagogin und Gastkolumnistin, hat uns heute diesen tollen Beitrag zum Thema Geschichten & Co geschrieben.

Jeder hat ihn im Garten- doch die wenigsten kennen ihn: den Gundermann, botanisch Glechoma hederacea, im Volksmund auch Gundelrebe, Erdefeu, Soldaten-Petersilie oder Donnerrebe genannt. Seinen Namen verdankt er höchstwahrscheinlich seiner früheren Heilanwendung bei schlecht heilenden Wunden, „Gund“ ist eine altertümliche Bezeichnung für Eiter.

Er wächst in der freien Natur in fast allen Gärten, meistens auf feuchten, schattigen Standorten, auf Wiesen und an Hecken, in Wäldern und an Wegrändern.  Zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) gehörend, wuchert der Gundermann mit seinen nierenförmigen Blättchen und winterharten Trieben als Bodendecker manchmal sogar über Zäune hinweg. Zur Blütezeit von März bis Juni wächst er aufrecht mit kleineren Blättchen, damit die Insekten die ansonsten kleineren, hellvioletten Blüten besser sehen können. Die Pflanze ist reich an ätherischen Ölen, Bitterstoffen, Gerbstoffen, Vitamin C, Kalium und anderen Mineralstoffen, sowie Saponinen. Schon unsere Vorfahren schätzten ihre stoffwechsel- und appetitanregenden Eigenschaften („Soldatenpetersilie“). Die Germanen verehrten den Gundermann als Heil- und Zauberpflanze. Die Menschen glaubten, er könne mit seinen guten Kräften vor bösen Mächten schützen. Der Legende nach beherbergt ein am Haus aufgehängtes oder beim Bauen eingearbeitetes Sträußchen Gundermann die guten Hausgeister. Die Menschen begrüßten tanzend mit einem gebundenen Gundermannkranz in den Haaren den nahenden Frühling. Und in England wurde in alten Zeiten aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe das „Gundermannbier“ (Ale) gebraut, erst im 17. Jahrhundert kam der Hopfen ins Bier. Den Kühen wurde Gundermann gefüttert, damit sie beschützt wurden und reichlich Milch gaben- „Kuh, da geb ich dir die Gundelreben, dass du mir die Milch willst wiedergeben!“ Pferde vertragen den Gundermann allerdings nicht. Das in der Pflanze enthaltene Glechomin löst bei ihnen Schweißausbrüche, Zittern, Schleimausfluss und Atemstörungen aus!

In der heutigen Zeit hat der Gundermann keine wesentliche, heilkräftige Bedeutung mehr, seine Blüten sind aber eine schöne, essbare Dekoration und die Blättchen liefern eine ausgezeichnete Würze für Kräuterbutter, Brotaufstriche, Salate, Suppen und Kräuterlimonaden. Eine Delikatesse am Wegesrand! Fettreiche Speisen, wie z.B. Bratkartoffeln und Käsegerichte werden durch seine verdauungsfördernden Inhaltsstoffe bekömmlicher. Man sollte ihn allerdings sparsam verwenden, da er sehr intensiv würzt. Klassischerweise gehört der Gundermann in die Gründonnerstagssuppe, die „Grüne Neune“, da neun verschiedene Wildkräuter hineingehören (Brennnessel, Gänseblümchen, Giersch, Gundermann und weitere Frühlingskräuter). Doch auch die Blättchen in Zartbitterschokolade als Gundermann-Praline getaucht oder zum Verfeinern von aromatischen Essig, Öl oder Likören kommt er zur Verwendung.


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Gundermann-Praline

50 g Butter vorsichtig schmelzen, evtl. im Wasserbad. Der wieder leicht abgekühlten Butter, 1¼ EL gesiebten Kakao, 1½ EL Honig und 1 Msp.Vanillepulver vorsichtig unter mischen. 15 Gundermann-Blättchen in die Schokolade tauchen und auf einem Butterbrot- oder Backpapierpapier erkalten lassen.